Leben in Liberia: Die Mary‘s Meals Gemeinschaft

Unser Communications Officer Gerry erklärt das Gemeinschaftsgefühl, das das Herzstück der Arbeit von Mary‘s Meals in Liberia ist.

Als ich eines Tages mit zwei Freunden zum Gelände von Mary‘s Meals in Tubmanburg zurückging, waren sie erstaunt darüber, wie viele Menschen, denen wir begegneten, meinen Namen kannten und mich grüßten. Je näher wir kamen, umso öfter hörte ich Stimmen von allen Seiten – aus Häusern, Höfen, Gärten, sogar von jemandem, der auf einem Motorrad an uns vorbei fuhr und „Gerry!“ rief, und ich schaute mich um und winkte oder grüßte sie zurück. Ziemlich viele von ihnen, meist Kinder, kannte ich nicht einmal.

Als ich meine Arbeit hier begann, war es allerdings etwas anders. Die Kinder, denen ich begegnete riefen „Hey, du!“ Aber als sie sich an mich gewöhnt hatten, schüttelten mir viele Kinder die Hand und nannten mich Gerry und fragten mich nach meiner Gesundheit und meinem Befinden!

Die Intensität des Willkommenheißens und das Gemeinschaftsgefühl werden häufig von Besuchern angesprochen, die nach Liberia kommen. Es kann überwältigend sein für diejenigen, die an ein freundliches Nicken, ein Murmeln oder meist nichts gewohnt sind.

Vor einiger Zeit war ich im Urlaub zuhause in England. Ich war dort nur für neun Tage, aber als ich nach Liberia zurückkam, war der Empfang erstaunlich. Menschen, die ich bei Mary‘s Meals kaum kannte, kamen persönlich auf mich zu, um „Willkommen zurück“ zu sagen. Diejenigen, mit denen ich enger zusammenarbeitete, begrüßten mich, als wäre ich Monate lang weg gewesen.

Gemeinschaft wird hier anders gelebt, weil es für die Menschen ein wichtiges Sicherheitsnetz ist. Wenn du krank bist, deine Arbeit verlierst oder nicht für ein Zuhause oder Nahrung für deine Familie sorgen kannst, wendest du dich an deine Gemeinschaft – deine Familie und Freunde – damit sie dir helfen. Und es ist ganz klar, dass sie tun, was immer sie können, um dir zu helfen, wenn du sie darum bittest.

Mary‘s Meals bietet sich selbst als Teil dieser Regelung an, und es erscheint den Menschen hier manchmal seltsam, dass eine Organisation ebenso Teil deiner Gemeinschaft sein kann wie Individuen. Aber die Menschen – besonders in Tubmanburg, wo wir unsere Basis haben, erkennen die Bemühungen der Mitarbeiter von Mary‘s Meals an, mit den örtlichen Schulen zusammen zu arbeiten, um auf lokaler Ebene eine Partnerschaft mit Gemeinden zu bilden.

Es gibt Schulen, die ganz auf freiwilliger Grundlage gegründet wurden. Vor einiger Zeit war ich in einer Schule, die entstanden war, weil ein Lehrer in eine neue Gegend gezogen war und bemerkt hatte, dass es keine Schule gab. Er begann, selbst einige Klassen zu unterrichten und ermutigte die Gemeinde, sich zu engagieren. Sie stellten einige Lehrer ein und einige ihrer eigenen Highschoolabsolventen, zunächst als Freiwillige, die sie nach und nach durch die Lehrerausbildung brachten.

In den Schulen gibt es eine Gemeinschaft nicht nur von Lehrern und Schülern, sondern von Eltern, Regierungsmitarbeitern und Freiwilligen, besonders von den Köchen, die jeden Tag die Mahlzeit von Mary‘s Meals zubereiten.

Mein Freund von Radio Bomi, der mich auf meinem Gang durch die Nachbarschaft begleitete, erzählte mir, dass wann immer sie eine Anrufaktion hätten, in der Zuhörer die lokalen Organisationen danach bewerten sollten, wie sehr sie ihre Arbeit schätzten, Mary‘s Meals stets an erster Stelle steht.

Ich dankte ihm dafür, aber ich sagte, dass es seine nächste Herausforderung sei, sein Gesicht in der Gemeinschaft so bekannt zu machen wie meines!