Leben in den Slums von Indien verändern

Caspar Werz besuchte im Herbst 2018 einige Schulen in den Slums Indiens, in denen Kinder Essen von Mary’s Meals erhalten. Hier teilt er mit uns seine Erfahrungen und Bilder.

Ich reiste im Herbst 2018 gemeinsam mit meiner Cousine zum ersten Mal nach Indien.

Schon auf dem Weg vom Flughafen zu meiner Wohngelegenheit habe ich so schreckliches Elend gesehen, dass ich dachte, es könne nicht viel schlimmer werden. Doch ich hatte mich geirrt.

Es geht viel schlimmer. Es scheint fast so, also ob dem Elend keinerlei Grenzen gesetzt sind. Irgendwo wird immer jemand zu finden sein, dem es noch schlechter geht.

Nachdem wir in einer kleinen Schule im Bundesstaat Uttar Pradesh vier Monate gearbeitet hatten, konnten wir zwei Wochen in Delhi wohnen. In dieser Zeit hat uns Pater Joson täglich Slums gezeigt, in denen Kinder von Mary’s Meals unterstützt werden.

Schon der Weg zum ersten Slum war kräftezehrend: überall Armut und alles scheint kaputt zu sein. Als wir ankamen, dachte ich mir, dass dieser eigentlich okay wäre. Die Menschen wohnen in bescheidenen Verhältnissen, aber immerhin in richtigen Häusern; sie scheinen ein relativ „gutes“ Leben zu haben. Doch mir wird gesagt, dass das zwar auch ein Slum sei, aber es besser als hier im Rahmen der Slums nicht ginge. Und dann sind plötzlich nur noch Hütten aus Plastikplanen und Stofffetzen um uns herum.

Wir steigen aus und besuchen ein Klassenzimmer. Gut 30 Kinder zwischen drei und fünf Jahren sitzen dicht gedrängt auf staubigem Boden und blicken ängstlich zu uns. Die meisten von ihnen haben noch nie zuvor einen Weißen gesehen. Der Besuch in so einem Klassenzimmer ist eine ziemlich skurrile Erfahrung, man steht ein paar Minuten vor den Kindern, die erstarrt sind, Pater Joson redet mit der Lehrerin, man macht ein paar Fotos und draußen vor der Türe sammelt sich eine langsam aber stetig größer werdende Menschenmenge die den „Weißen“ sehen wollen.

Die nächsten Tage besuchen wir verschiedene Slums. Manche in besserem Zustand, andere wiederum mit katastrophalen Verhältnissen.

Der Slum, der mich am weitesten in die Knie gezwungen hat, ist kaum mit Worten zu beschrieben. Er entstand am Fuße eines gigantischen Müllberges vor circa 25 Jahren und heute leben dort schätzungsweise 700.000 bis 1.000.000 Menschen. Alle paar Meter wird Plastik verbrannt: Nach wenigen Minuten ist mir so schlecht geworden, wie niemals in meinem Leben. Man läuft über Straßen, die nur aus Müll bestehen, vorbei an Kindern mit verfilzten Haaren, die anstelle von Kleidung oft nur Fetzen am Körper tragen. Eigentlich bin ich nach zehn Minuten soweit, die Augen zumachen zu wollen und loszurennen, egal wo hin, Hauptsache weit weg!

Auf dem Weg zum ersten Klassenzimmer laufen wir weit in den Slum hinein. Durch kleine Städte aus Plastikplanen, die den Ärmsten der Armen ein Zuhause sind. Das Wasser ist so schwarz, dass es nicht mehr als Wasser zu erkennen ist. Kurz vor dem Klassenzimmer sehe ich zwei etwa vier Monate alte Babys, die von Fliegen übersäht und mit aufgeblähten Bäuchen zu schwach sind, um zu schreien. Dieser Anblick hat mich nachhaltig geschockt. Und dann, eine Minute später betrat ich das Klassenzimmer und für einen Augenblick vergesse ich das schier unendliche Elend, dass keine 20 Zentimeter entfernt hinter der kaputten Türe wartet. Das ängstliche, nervöse Lächeln der Kinder war es wert durch dieses Elend zu laufen.

Pater Joson erklärt ihnen, dass wir die sind, von denen sie das Essen bekommen und die Schüchternheit weicht hemmungsloser Freude. Sie sagen, dass sie besonders gerne freitags in die Schule kommen, weil es da Ei gibt. Aber auch, dass sie die Schule lieben, weil sie lernen dürfen.

Die Lehrerin ruft nach einem Jungen, der draußen vorbeiläuft. Er besuchte früher diese Schule, an der Mahlzeiten von Mary’s Meals ausgeteilt werden, und geht heute auf eine weiterführende Schule.
Wir fragen ihn, was er von Mary’s Meals halte. Und er sagt, dass er dem Essen und der Bildung alles verdanke. Er kann lesen, rechnen und schrieben. Er geht zur Schule und das hätte er niemals geschafft, wenn er damals nicht Mary’s Meals erhalten hätte. Dieser elfjährige Junge zeigte mir auf eindrucksvolle Weise, dass Mary’s Meals etwas verändert. Selbst wenn es nicht für jeden klappt, für ihn hat es funktioniert und dieses eine Leben verändert zu haben ist fantastisch!

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