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Selemon

Stimmen aus Tigray

Selemon, ein Junge, dem so viel genommen wurde

Veröffentlicht am

Vor einigen Jahren war Selemon’s Leben noch geprägt von Normalität. Beide Eltern waren gesund, seine Familie galt als abgesichert, und Selemon verbrachte seine Tage damit, mit Freunden zu spielen, zu lachen und zur Schule zu gehen, all das, was man sich für ein Kind wünscht.

Dann kam der Krieg. Zwei Jahre lang verwüstete der Konflikt die Region Tigray in Äthiopien. Die Folgen trafen Selemon’s Familie mit voller Wucht. Sein Vater erlitt einen schweren psychischen Zusammenbruch, war ab dann meist abwesend und konnte die Familie kaum noch unterstützen. Für Selemon und seine Mutter bedeutete das nicht nur den Verlust von Stabilität, sondern auch den Verlust ihres Einkommens und damit ihrer Lebensgrundlage.

Selemon ist heute elf Jahre alt. Bevor Mary’s Meals an seiner Schule mit der Ausgabe von Mahlzeiten begann, berichtete sein Lehrer, dass er ständig krank war. Er litt an einer Hauterkrankung – eine Folge von Unterernährung. Oft kam Selemon in die Schule, ohne etwas gegessen zu haben. Statt sich auf den Unterricht konzentrieren zu können, saß er hungrig im Klassenraum und wirkte oft verwirrt und erschöpft.

Früher war er lebhaft und selbstbewusst gewesen. Er liebte das Lesen und Schreiben. Doch nach dem Krieg fehlte es an allem: an Heften, Stiften und den einfachsten Dingen, die man braucht, um eine Geschichte auf ein Blatt Papier zu schreiben.

An Selemons Schule fehlten nach dem Krieg rund 300 Kinder, die eigentlich dort lernen sollten. Viele arbeiteten, manche mussten betteln, um zu überleben. Einige hatten den Krieg nicht überlebt.

Lehrkräfte verließen die Schule, weil die Schülerzahlen so stark gesunken waren.

Dann kam Mary’s Meals. Innerhalb weniger Stunden meldeten sich 15 Kinder neu an. Heute sind die Klassenräume wieder gefüllt.

Die tägliche, nahrhafte Mahlzeit macht den Unterschied: für die Gesundheit der Kinder, für ihre Konzentration im Unterricht, für die Entlastung der Familien und für neue Hoffnung in einer zutiefst verletzten Gemeinschaft.