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Selemon

Stimmen aus Tigray

Selemon, ein Junge, dem so viel genommen wurde

Veröffentlicht am

Vor einigen Jahren war Selemon’s Leben noch geprägt von Normalität. Beide Eltern waren gesund, seine Familie galt als abgesichert, und Selemon verbrachte seine Tage damit, mit Freunden zu spielen, zu lachen und zur Schule zu gehen, all das, was man sich für ein Kind wünscht.

Dann kam der Krieg. Zwei Jahre lang verwüstete der Konflikt die Region Tigray in Äthiopien. Die Folgen trafen Selemon’s Familie mit voller Wucht. Sein Vater erlitt einen schweren psychischen Zusammenbruch. Heute ist er meist abwesend und kann die Familie kaum noch unterstützen. Für Selemon und seine Mutter bedeutete das nicht nur den Verlust von Stabilität, sondern auch den Verlust ihres Einkommens und damit ihrer Lebensgrundlage.

Selemon ist heute neun Jahre alt. Sein Lehrer berichtet, dass er ständig krank ist und sogar an einer Hauterkrankung leidet. Vermutlich eine Folge von Hunger. Oft kommt Selemon ohne etwas gegessen zu haben in die Schule. Statt sich auf den Unterricht konzentrieren zu können, sitzt er hungrig im Klassenraum. Früher war er lebhaft und selbstbewusst, heute wirkt er oft verwirrt und erschöpft.

Dabei liebte Selemon das Lesen und Schreiben. Er wusste: Bildung ist wichtig. Doch selbst das ist für ihn schwer geworden. Es fehlt an allem: an Heften, Stiften, an den einfachsten Dingen, um eine Geschichte auf ein Blatt Papier zu schreiben.

Selemon steht mit seinem Schicksal nicht allein. In seiner Schule fehlen rund 300 Kinder, die eigentlich dort lernen sollten. Viele arbeiten, manche betteln, andere haben versucht zu fliehen. Einige haben den Weg nicht überlebt. Lehrkräfte haben die Schule verlassen, weil die Schülerzahlen so stark gesunken sind. Ein Klassenzimmer, das die Dorfgemeinschaft einst voller Hoffnung gebaut hat, ist heute durch eine Explosion schwer beschädigt.

Und doch gibt es Hoffnung.

Mary’s Meals möchte diese Schule dringend erreichen und mit der Ausgabe täglicher Schulmahlzeiten beginnen. Als unser Team die Schule kürzlich besuchte, meldeten sich innerhalb weniger Stunden 15 Kinder neu an. Allein die Aussicht auf eine regelmäßige Mahlzeit gab Familien den Mut, ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken.

Wir wissen, wie groß der Hunger ist. Wir wissen auch, welchen Unterschied eine tägliche, nahrhafte Mahlzeit machen kann: für die Gesundheit der Kinder, für ihre Konzentration im Unterricht, für die Entlastung der Familien und für neue Hoffnung in einer zutiefst verletzten Gemeinschaft.

Als Selemon gefragt wurde, was eine Schulmahlzeit für ihn bedeuten würde, gab er eine Antwort, die uns tief berührt:

„Es würde mich glücklich machen.“