Kinder erleben Traumata und Angst
Zwei Mitarbeiter zu den Auswirkungen der Lage in Haiti auf die Kinder
Kinder in Haiti sind am stärksten von der humanitären Krise betroffen, die das Land lähmt. Zwei Mitarbeitende des Schulspeisungsprogramms von Mary’s Meals berichten, wie bewaffnete Banden Kinder traumatisieren und sie in Hunger und Armut treiben. Trotz der unsicheren Lage setzen wir gemeinsam mit unseren lokalen Partnern die lebensnotwendige Versorgung der Kinder mit täglichen Schulmahlzeiten fort.
Phuto Labadie arbeitet für Summits, einen der lokalen Partner von Mary's Meals, der in der abgelegenen Region des Zentralplateaus tätig ist. Als Leiter des Ernährungsprogramms arbeitet er mit Schulen zusammen, um sicherzustellen, dass das Programm effektiv umgesetzt wird und zehntausende Kinder täglich dringend benötigte Mahlzeiten erhalten. Alexis Seneque ist Lehrer an der Schule Annonciation de Bernardo, wo die Kinder ebenfalls von Mary's Meals profitieren. Sie berichten, wie die Gewalt und Unsicherheit im Land das Leben der Kinder zerstören.
Welchen Herausforderungen begegnen die Menschen in den Gebieten, in denen Sie das Schulspeisungsprogrammdurchführen?
Phuto Labadie: Die Bandenkriminalität und die Unsicherheit haben gravierende Folgen. In vielen Regionen hat die Armut zugenommen, da viele Eltern ihre Geschäfte und ihre Arbeit verloren haben. Dadurch sind sie in eine noch prekärere Lage geraten. Sie können ihre Kinder nicht mehr versorgen. Fast alle Familien sind mittlerweile von Armut betroffen, da viele gezwungen sind, ihre Häuser zu verlassen. Am schlimmsten ist der extreme Hunger, der diese Regionen heimsucht.
Wie haben sich die bewaffneten Banden auf Kinder ausgewirkt, die an den Mahlzeiten von Mary's Meals teilnehmen?
Phuto Labadie: Eine der gravierendsten Folgen der Bandenkriminalität und der damit einhergehenden Unsicherheit sind traumatisierte Kinder, die Lernschwierigkeiten haben. In Regionen ohne diese Unsicherheit lernten sie besser. Sie konnten in einer ruhigen Umgebung lernen. Doch jetzt fällt ihnen das Lernen schwer.
Mancherorts können Kinder nicht zur Schule gehen, weil Banden die Schulgebäude besetzen. Einige Schulen mussten geschlossen werden und können nicht wieder öffnen. Viele Kinder sind vertrieben worden und können aus wirtschaftlichen Gründen nirgendwo zur Schule gehen.
Alexis Seneque : Kinder leiden sehr unter der Bandengewalt – sowohl körperlich als auch in ihrem Verhalten. Sie haben große Angst, und obwohl die Schule abgelegen liegt, sind sie verängstigt, weil sie glauben, dass sich Gangster im Gebüsch verstecken.
Die Kinder [aus dem Schulgebiet] beobachten die Flucht der Menschen, insbesondere wenn andere Kinder, die aus anderen Regionen kommen, um in ihrer Schule Zuflucht zu suchen, ihnen von den schwierigen Lebensumständen erzählen. Dies hat viele negative Auswirkungen auf ihren Lernerfolg.
Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Durchführung des Schulernährungsprogramms angesichts von Gewalt und Unsicherheit?
Alexis Seneque: Manchmal ist es schwierig, in von Banden kontrollierten Gebieten an Lebensmittel zu gelangen. Das verzögert die Lieferungen. Trotzdem sorgen die Verantwortlichen stets dafür, dass die Lebensmittel ihr Ziel erreichen, auch wenn es zu Verzögerungen kommt.
Phuto Labadie : Die Zukunft der Kinder ist bedroht. Sie ist daher ungewiss. Das zwingt uns, unsere Anstrengungen zu verdoppeln, um sicherzustellen, dass die Kinder das Gelernte auch wirklich verstehen, denn die Zukunft ist aufgrund der Bandenkriminalität unberechenbar. Wir wissen nicht, wie das Land aussehen wird. Alles ist ungewiss.
Wie helfen die täglichen Schulmahlzeiten den Kindern in Haiti?
Phuto Labadie : Das Schulspeisungsprogramm ist eine Lösung für den Hunger vieler Kinder. Es bietet ihnen eine tägliche Mahlzeit und trägt so zu ihrer Gesundheit bei. Dadurch können sie lernen und die Probleme von Armut und Hunger im Land besser bewältigen.
Es hilft Kindern, täglich eine warme Mahlzeit zu bekommen, wodurch sie wiederum länger in der Schule bleiben und mehr lernen können. Mary's Meals ist sehr wichtig für die Kinder.
Haitis Kindern gehen die Perspektiven aus. Hungrig und von Gewalt umgeben, werden viele von ihnen von bewaffneten Banden rekrutiert – angelockt vom Versprechen auf Nahrung.
Schulmahlzeiten sind für sie überlebenswichtig und eine Spende von nur 22 € hilft uns, Kindern weiterhin lebensrettende Nahrung in einem sicheren Lernumfeld zu bieten. Gemeinsam können wir, Mahlzeit für Mahlzeit, ihren Glauben an ein Leben jenseits des Chaos wiederherstellen.
Paige Boxshall ist Programm-Managerin bei Mary's Meals und arbeitet mit unseren Partnern in Haiti zusammen, um das Schulspeisungsprogramm durchzuführen.