Bildung stärkt
Hoffnung durch Schulmahlzeiten in Indien
Die Partnerschaft von Mary’s Meals mit BREAD öffnet weiterhin Klassenzimmertüren, indem sie Kindern in einigen der ärmsten Regionen Indiens täglich eine Mahlzeit ermöglicht.
Im geschäftigen Noida im Norden Indiens befindet sich der Hauptsitz von BREAD (Board for Research, Education and Development), einer gemeinnützigen Organisation, die sich der Ernährung und Bildung von Kindern aus marginalisierten Gemeinschaften in ganz Indien widmet.
Mary’s Meals arbeitet bereits seit 2004 mit BREAD zusammen. Gemeinsam versorgen wir heute mehr als 55.000 Kinder an über 130 Bildungsorten in Delhi, Uttar Pradesh, Jharkhand und Chhattisgarh täglich mit nahrhaften Mahlzeiten, mit einem besonderen Fokus auf jene Kinder, die am stärksten benachteiligt sind.
In diesem Interview sprechen wir mit Father Joson, katholischer Priester, ausgebildeter Jurist und Gründer von BREAD, über unsere gemeinsame Vision: dass kein Kind aufgrund von Armut oder Hunger vom Schulbesuch ausgeschlossen werden darf. Außerdem berichtet er, wie diese Partnerschaft dazu beigetragen hat, dass unser weltweites Programm heute mehr als 3 Millionen Kinder erreicht.
Was macht BREAD und warum haben Sie die Organisation gegründet?
BREAD ist eine Nichtregierungsorganisation, die Kindern aus marginalisierten Gemeinschaften in Indien Bildungs- und Ernährungsangebote macht. Dazu gehören Kinder aus informellen Siedlungen ebenso wie Kinder, die auf der Straße oder an Bahnhöfen leben.
Anfang der 2000er-Jahre habe ich Seminare zur rechtlichen Selbstermächtigung durchgeführt. Viele der Frauen, mit denen ich arbeitete, waren nicht alphabetisiert, und ihre Kinder gingen nicht zur Schule. Sie erzählten mir, dass sie nicht genug zu essen hätten, um ihre Kinder zur Schule schicken zu können. Als ich das hörte, wusste ich, dass wir das Kernproblem angehen mussten: den Hunger.
Im Jahr 2002 traf ich außerdem Magnus MacFarlane-Barrow, den Gründer von Mary’s Meals. Die Organisation hatte gerade begonnen, Kinder in Malawi mit Schulmahlzeiten zu versorgen. Uns verband sofort die gemeinsame Vision, dass kein Kind aufgrund von Hunger von Bildung ausgeschlossen sein darf. 2004 begann ich, gemeinsam mit Mary’s Meals Schulmahlzeiten bereitzustellen. Nach mehreren rechtlichen Hürden wurde BREAD schließlich 2009 als gemeinnütziger Trust gegründet.
Vor welchen Herausforderungen stehen Kinder aus armen und benachteiligten Gemeinschaften in Indien?
Der Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung ist in Indien eine große Herausforderung. Für Millionen von Familien hat Bildung zudem keinen hohen Stellenwert, insbesondere für Mädchen, die traditionell oft nicht zur Schule geschickt werden.
Armut zwingt viele Kinder zur Arbeit. In ländlichen Regionen sind Schulen oft weit entfernt, und der Schulweg stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Hinzu kommen soziale Ungleichheit und Ausgrenzung, die sich unter anderem im Kastensystem widerspiegeln.
Trotz gesetzlicher Verbote existiert in Indien weiterhin Schuldknechtschaft: Menschen werden gezwungen, für sehr geringe oder gar keine Entlohnung zu arbeiten, um hochverzinste Kredite oder vererbte Schulden abzuzahlen. Die meisten Menschen mit dem niedrigsten Einkommen besitzen kein eigenes Land und müssen auf dem Land anderer arbeiten. Für diese landlosen „Schuldarbeiterinnen und -arbeiter“ ist Ernährungsunsicherheit ein massives Problem. Sie sind auf ein unzuverlässiges staatliches Verteilungssystem für Getreide angewiesen – mit der Folge, dass Familien teils monatelang keine Lebensmittel erhalten.
Wie hilft das Schulernährungsprogramm von Mary’s Meals, Hunger zu lindern und Kinder, insbesondere Mädchen, zu einem regelmäßigen Schulbesuch zu ermutigen?
Das Schulernährungsprogramm versorgt Kinder in Schulen und informellen Lernzentren täglich mit nahrhaften Mahlzeiten. Diese Mahlzeiten fördern nicht nur den Schulbesuch, sondern geben den Kindern auch die Kraft und Hoffnung, die sie brauchen, um sich zu konzentrieren, zu wachsen und sich zu entwickeln. Ohne Mary’s Meals würden deutlich weniger Kinder zur Schule gehen und ihre Energie- und Konzentrationsfähigkeit wäre erheblich geringer.
Für viele Mädchen in Indien gilt noch immer die traditionelle Vorstellung, dass sie nach der Heirat „weggegeben“ werden und sich eine „Investition“ in ihre Bildung nicht lohne. Doch wenn es eine Schule in der Nachbarschaft gibt, die zusätzlich eine Mahlzeit anbietet, sind Familien deutlich eher bereit, ihre Töchter dorthin zu schicken. Die Geschichten von Fatima und Soni, die mit Mary’s Meals aufgewachsen sind und heute studieren bzw. berufstätig sind, zeigen eindrucksvoll, was möglich ist.
Wie hat unsere Partnerschaft dazu beigetragen, dass Mary’s Meals heute mehr als 3 Millionen Kinder täglich erreicht und wie kann sie helfen, künftig 4 Millionen Kinder zu versorgen?
Die Partnerschaft zwischen BREAD und Mary’s Meals begann 2004 mit 40 Kindern an einer einzigen Schule. In den vergangenen 20 Jahren ist diese Zahl auf über 55.000 Kinder in mehreren Regionen Indiens angewachsen – eine außergewöhnliche Entwicklung.
Gleichzeitig zeigen Daten von UDISEPlus, dass in Indien weiterhin rund 47,4 Millionen Kinder zwischen sechs und 17 Jahren keine Schule besuchen. Uttar Pradesh und Jharkhand gehören zu den Bundesstaaten mit den höchsten Zahlen von Kindern außerhalb des Bildungssystems. Der Bedarf ist also weiterhin enorm – und unsere gemeinsame Mission wichtiger denn je.
Durch unsere Zusammenarbeit möchten wir noch mehr Kinder mit einer täglichen Mahlzeit an ihrem Lernort erreichen. Und natürlich freuen wir uns darauf, Mary’s Meals dabei zu unterstützen, den nächsten großartigen Meilenstein zu erreichen: die Versorgung von 4 Millionen Kindern mit Schulmahlzeiten.