„Bildung gibt uns die Kraft, die Zukunft zu gestalten.“
Die Geschichte zwei starker Frauen, Lydia und ihrer Mutter Shewit in Tigray (Äthiopien).
Als ich Lydia vor mehr als fünf Jahren zum ersten Mal traf, fiel mir sofort ihr strahlendes Lächeln auf. Mit ihrem leuchtend roten Kopftuch und ihrer selbstbewussten Art stach sie aus der Gruppe der anderen Kinder hervor. Damals träumte sie davon, Pilotin zu werden. Begeistert erzählte sie von ihrer Freude am Lesen und davon, wie wichtig das tägliche Schulessen von Mary's Meals für sie war.
Ihr Selbstvertrauen hatte sie von ihrer Mutter Shewit. Sie ist Lehrerin an Lydias Schule und ein großes Vorbild für die Mädchen – und eine unermüdliche Fürsprecherin für ihre Bildung.
Damals erzählte mir Shewit: „Meine Eltern wollten nicht, dass ich zur Schule gehe. Aber meine Tochter soll so etwas niemals erleben müssen.
Früher drängten Familien ihre Töchter zur Heirat, weil sie glaubten, Mädchen könnten ohnehin nichts erreichen und bräuchten keine Bildung. Heute verändert sich dieses Denken. Mädchen können ihre Ziele erreichen – wenn sie die Chance auf Bildung bekommen.“
Auch Lydia war schon mit elf Jahren davon überzeugt, wie wichtig Bildung ist: „Bildung macht uns stark. Ohne Bildung können wir unser Land nicht voranbringen und keine sichere Zukunft schaffen. Ich hoffe, dass wir Kinder eines Tages die Zukunft unseres Landes mitgestalten werden.“
Hoffnung trotz Krieg und Not
Lydias Optimismus konnte damals nicht ahnen, welche schweren Jahre vor ihr lagen. Niemand konnte das. Ein verheerender Konflikt führte zur Schließung vieler Schulen und kostete Hunderttausende Menschen das Leben. Gleichzeitig zerstörte eine schwere Dürre die Felder, die vom Krieg ohnehin bereits verwüstet waren.
Als ich Lydia nun, Jahre später, wiedertraf, war aus dem fröhlichen Mädchen eine nachdenkliche 16-Jährige geworden. Der Krieg hatte tiefe Spuren hinterlassen und ihr viel von der Hoffnung und Unbeschwertheit ihrer Kindheit genommen.
Doch ihre Mutter gab sie nie auf. „Meine Mutter macht mir immer wieder Mut. Sie erinnert mich daran, was ich wert bin, und bewahrt mich davor, die Hoffnung zu verlieren.“
Mit der Wiedereröffnung der Schulen kehrte auch neue Hoffnung zurück – nicht zuletzt dank der Schulspeisung von Mary's Meals.
„Bildung gibt uns die Möglichkeit, unser Land positiv mitzugestalten“, so Lydia. „Ohne das Schulessen könnten wir uns vor Hunger kaum auf den Unterricht konzentrieren. Mit dem Porridge sind wir aufmerksam, motiviert und können dem Unterricht wirklich folgen.“
Auch Shewit erlebt als Lehrerin jeden Tag, welche Wirkung das Schulessen weit über ihre eigene Familie hinaus hat. „Ohne dieses Schulspeisungsprogramm kann ich mir kaum vorstellen, wie unser Leben aussehen würde. Mary's Meals ist für unsere Gemeinschaft ein Rettungsanker. Ohne das Schulessen hätten viele Kinder keine Möglichkeit zu lernen. Manche müssten arbeiten, andere betteln oder würden in Situationen geraten, die ihnen schaden. Nahrung ist ein Grundbedürfnis. Deshalb profitieren nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch ihre Familien und die gesamte Gemeinschaft. Heute spricht kaum noch jemand davon, die Schule abzubrechen. Die Kinder beteiligen sich aktiv am Unterricht, sind aufmerksam und voller Energie. Das Schulessen gibt ihnen einen Grund, jeden Tag zur Schule zu kommen.“
Bildung verändert Leben
Lydia muss ihre Mutter glücklicherweise nicht davon überzeugen, wie wichtig Bildung ist. Doch vielen anderen Mädchen geht es anders. Weltweit stehen Mädchen noch immer vor besonderen Hürden. Oft übernehmen sie früh Verantwortung im Haushalt, kümmern sich um jüngere Geschwister oder müssen arbeiten, um zum Familieneinkommen beizutragen. Extreme Armut führt vielerorts außerdem dazu, dass Mädchen früh verheiratet werden oder bereits als Jugendliche Mütter werden.
Mary's Meals ist überzeugt: Bildung ist für alle da.
Wir sind stolz darauf, dass 50 Prozent der Kinder, die im Rahmen unserer weltweiten Schulspeisungsprogramme täglich eine Mahlzeit erhalten, Mädchen sind. Mit einer täglichen Schulmahlzeit bauen wir Hindernisse auf dem Weg zur Bildung ab. Wir ermutigen Eltern, auch ihre Töchter zur Schule zu schicken, und ermöglichen es den Mädchen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren – statt auf den Hunger.
Denn Bildung verändert Leben. Sie eröffnet Chancen, stärkt Selbstvertrauen und hilft dabei, den Kreislauf von Armut zu durchbrechen.
Shewit bringt es auf den Punkt: „Wenn man ein Mädchen bildet, bildet man eine ganze Familie. Mädchen werden später Mütter und haben die Möglichkeit, das Leben ihrer Kinder und ihrer ganzen Familie nachhaltig zu verändern.“
Und als Mutter ergänzt sie: „Ich bin überzeugt, dass Lydia mit Ermutigung und Unterstützung ihre Ziele erreichen wird. Ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem ich voller Stolz ihre Erfolge feiern kann.“
Mit Ihrer Unterstützung können noch mehr Lehrerinnen wie Shewit ihre Klassen mit wachen, lernbereiten Kindern unterrichten – und noch mehr Mädchen wie Lydia die Chance erhalten, ihre Träume zu verwirklichen.