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Rucksäcke der Aktion 2011 wurden verteilt

Letzte Woche wurden die Rucksäcke unserer Aktion an 3 Schulen in Malawi verteilt: Die Ngumbe Full Primary School mit 2319 Kindern, sowie die Nasonjo Primary School mit 749 Kindern und die Likulu Primary School mit 1112 Kindern. Alle drei Schulen liegen im ländlichen Umkreis von Blantyre. Einige Fotos stellen wir auf unsere Homepage, um einen kleinen Eindruck zu vermitteln. Im folgenden ein Bericht von Ursula Schwarz (Vorstand von Mary´s Meals Deutschland e.V.), die bei der Verteilung mit dabei war.

Die Woche regnete es in Strömen. Lehmhütten fielen zusammen, Kinder liefen frierend durch den Schlamm, zum Teil ohne Schuhe. Diese Armut übertrifft alles, was ich bisher gesehen habe. "Wenn es so weiterregnet, können wir die Rucksäcke nicht austeilen, der Lastwagen wird nicht durchkommen" meint Joe Gribben, der Leiter des Mary´s Meals Teams Malawi, sorgenvoll. Zum Glück lässt der Regen in den nächsten 2 Tagen, in denen ich weitere Schulen besuche, nach, so dass wir am Donnerstag mit einem Lastwagen voller Rucksäcke Blantyre verlassen können. Durch den Matsch geht es zur Ngumbe Primary School. Die Rucksackverteilung ist für die Schulen immer eine Überraschung, denn die Kinder sollen angespornt werden, jeden Tag zur Schule zu gehen. Nach einem kurzem Gespräch mit dem Direktor gehen wir in die Klassen. Die Lehrer strahlen, als sie uns sehen, die Schüler stehen alle auf. Die Begüßungszeremonie im Staccato beginnt: "Good morning, Madam." "Good morning, how are you?" "We are fine, and how are you?" "I´m fine, thank you very much". Alle Kinder setzen sich. In jeder Schule, die ich in Malawi besucht habe, steht dieser Austausch am Anfang, sobald ein Erwachsener eine Klasse betritt.

Fast alle Kinder, die ich sehe, haben entweder nichts oder maximal eine Plastiktüte dabei, manche ein zerflettertes Heft oder einen Bleistift in der Hand.

Veronica, unsere Verantwortliche für die Rucksackverteilung bei Marys Meals Malawi, erklärt den Kindern, dass sie heute ein Geschenk bekommen von Kindern aus "Germany". Alle Kinder wiederholen "Germany" und schauen mich neugierig an. Und dann beginnt die Verteilung. Es wird genau gezählt, wie viele Jungen, wieviele Mädchen anwesend sind und wieviele Rucksäcke entladen werden. Über alles wird Buch geführt. Die Mädchen und Jungen dürfen sich in eine Reihe anstellen und die Verteilung beginnt. Als alle einen Rucksack haben, zählt Veronica auf drei, und die Kinder dürfen den Rucksack öffnen und auspacken. Und jetzt gibt es kein Halten mehr. Die Kinder strahlen, schwenken Hosen und T-Shirts stolz durch die Luft und halten glücklich Stifte und Hefte nach oben. Ich habe noch nie so eine Freude gesehen!!! Sie schauen gegenseitig aufgeregt in die Rucksäcke hinein, probieren Kleider schon mal aus, lachen mich an und fangen gemeinsam ein Dankeslied zu singen. "Zikomo" was aus Chichewa "Danke" heißt, schallt lautstark durch den Raum, bevor wir in den nächsten Klassenraum gehen. Von Raum zu Raum wird der Lärm stärker, an Unterricht ist nicht mehr zu denken. Die Freude ist so unermesslich, es ist kaum zu beschreiben. Ich sehe einen Junge, der völlig verdreckt, mit nichts außer ein paar übergroßen alten Schuhen und einem abgewetzten Hemd am Boden sitzt und nun glücklich eine Scouttasche in der Hand hält und ich bin so froh. Alle Arbeit des letzten Jahres von uns allen hat sich tausendfach gelohnt.

Die Lehrer bedanken sich sehr. Die meisten Kinder haben noch nie etwas geschenkt bekommen und haben keinerlei persönlichen Besitz. So ein Rucksack ist für sie eine große Kostbarkeit. "Wenn ein Kind in unserem Land nach Hause kommt und sagt: Papa, ich brauche einen neuen Kugelschreiber, dann kann es vorkommen, dass der Vater sagt: "Ich habe kein Geld, dann bleibst du halt zu Hause". So scheitert es manchmal an einem Kugelschreiber, dass ein Kind weiterhin zur Schule geht." erzählte mir vor kurzem ein Einheimischer.

In einer Schule, die ich in den Tagen zuvor besucht hatte, um den Bau einer Küche zu dokumentieren, wurden im Jahr 2010 Rucksäcke verteilt. Ich beobachtete, wie die Kinder ihren Rucksack noch immer in Benutzung hatten und ihn stolz in die Höhe hielten, als ich danach fragte.

Unsere Arbeit, die Schulspeisung und das Rucksackprojekt ist eine Investition in die Zukunft Malawis. Ohne unsere Schulspeisung würden viele Eltern ihre Kinder nicht schicken, ohne gefüllte Rucksäcke können die Kinder nicht gut lernen. Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben. 

Wir werden auch in diesem Jahr das Projekt fortsetzen. In Malawi allein ernähren wir derzeit über 500.000 Kinder täglich. Es werden noch viele Rucksäcke benötigt.

Ursula Schwarz